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Wegen ihres Materials - meist Bronze - war das Schicksal von Glocken stets sehr bewegt und wechselhaft. In Kriegen wurden sie zu Kanonen gegossen, im Frieden gingen diese Kanonen in neuen Glocken auf. Auch viele Sailaufer Glocken erlitten dieses Schicksal: Der Erste Weltkrieg forderte die Himmelfahrtsglocke von 1875, an derer statt 1928 die Kreuzglocke (260 kg, Durchmesser 77 cm) für die Vituskirche neu gegossen wurde. Nur 14 Jahre verrichtete sie ihren Dienst bis sie 1942 zusammen mit einer 1730 von Johann Adam Roth aus Würzburg gegossenen Glocke und der mittelalterlichen Glocke von 1478 konfisziert wurde. Nur die älteste Glocke aus dem 14. Jahrhundert durfte im Vituskirchturm verbleiben. Glücklicherweise entging auch die Glocke von 1478 der Einschmelzung und konnte nach dem Zweiten Weltkrieg vom Glockenfriedhof in Hamburg feierlich nach Sailauf zurückkehren, wo sie bis heute die größte Glocke ist. Für die nach dem Zweiten Weltkrieg angeschafften Glocken bleibt die Hoffnung, dass ihnen das Schicksal ihrer Schwestern erspart bleibe und ihr Dreiklang in einem vereinten Europa ihre eigentliche Botschaft laut verkünde: Gott hat seinen Sohn in unsere Welt geschickt, damit wir das Leben haben! Die Glocken der AuferstehungskircheFür den Neubau der Auferstehungskirche wurden 1969 zwei Glocken von Perner gegossen, drei Glocken wurden aus der Vituskirche überführt. Aufgrund des Stahlglockenstuhls und der Betonwände ergab sich ein harter und weit tönender Klang. Nachdem die Vituskirche 2008 zur Hauptkirche erklärt worden war, wurden am 28. Oktober 2008 die drei ehemaligen Vituskirchenglocken (Glocken I, III, IV) sowie die kleinste der 1969 für die Auferstehungskirche gegossenen Pernerglocken (V) in den Turm der Vituskirche überführt, um dort ein neues, achtstimmiges Geläut zu ergeben. Das unten abgebildete Geläute der Auferstehungskirche gehört somit der Vergangenheit an. Zuletzt läutete es nur noch "Friede sei mit dir!" vom Turm der Auferstehungskirche. Nr. Inschrift Gussjahr Gießer Schlagton ∅ Gewicht I o · rex · glorie · veni · cum · pace · hilf · sant- · gerdrut · anno · domini · m · cccc · lxxvin (Übers.: O König der Herrlichkeit komm mit Frieden - hilf Sankt Gertrud - im Jahre des Herrn 1478) 1478 Martin Moller, Frankfurt e' 116cm ~900kg II Der Friede sei mit dir! 1969 Perner, Passau fis' 112cm 786kg III + Christus Rex! + (Übers.: Christus König) 1950 Otto, Hemelingen gis' 98cm ~600kg IV Assumptio +B.M.V.!+ (Übers.: Aufnahme der Seligen Jungfrau Maria) 1950 Otto, Hemelingen h' 82cm ~320kg V Die armen Seelen geleit ich 1969 Perner, Passau cis'' 75cm 218kg
Die Glocken der Vituskirche Den Zweiten Weltkrieg überlebt hatten nur die zwei gotischen Glocken, dazu kamen 1951 zwei neu gegossene hinzu. Bis auf die Glocke des 14. Jahrhunderts wurden alle Glocken 1969 in die neue Auferstehungskirche gebracht. Zur Renovierung und Wiedereinweihung der Kirche 1989 wurden drei neue Glocken gegossen, die auf das Geläut der Auferstehungskirche abgestimmt waren. So konnten die ehemaligen Vituskirchglocken nach der Ernennung der Vituskirche zur Hauptkirche 2008 wieder zusammengeführt werden. Nur die Glocke IV wurde ursprünglich nicht für die Vituskirche sondern für die Auferstehungskirche gegossen.
Das achtstimmige Geläute erklang erstmals am Heiligabend 2008 um 14:00 Uhr. Nach der Installation aller Glocken wurde festgestellt, dass die Glocken der beiden Kirchen nicht perfekt aufeinander abgestimmt worden waren. Dadurch enthält das Geläute zwei Halbtöne, eine ungewöhnliche Klangeigenschaft, die es im Landkreis ansonsten nur in Feldkahl gibt, und die das neue Sailaufer Geläute nicht nur wegen der zwei gotischen Glocken zu den interessantesten der Region macht. Nr. Inschrift Gussjahr Gießer Schlagton ∅ Gewicht I o · rex · glorie · veni · cum · pace · hilf · sant- · gerdrut · anno · domini · m · cccc · lxxvin (Übers.: O König der Herrlichkeit komm mit Frieden - hilf Sankt Gertrud - im Jahre des Herrn 1478) 1478 Martin Moller, Frankfurt e' 116cm ~900kg II + Christus Rex! + (Übers.: Christus König) 1950 Otto, Hemelingen gis' 98cm ~600kg III Assumptio +B.M.V.!+ (Übers.: Aufnahme der Seligen Jungfrau Maria) 1950 Otto, Hemelingen h' 82cm ~320kg IV Die armen Seelen geleit ich 1969 Perner, Passau cis'' 75cm 218kg V Hl. Vitus steh uns bei in guten und in bösen Tagen 1988 Perner, Passau d'' 68,2cm 184kg VI – 14.Jh. ? e'' 70cm ~200kg VII Hl. Joseph, Patron der Arbeiter, bitte für uns 1988 Perner, Passau f'' 56cm 105kg VIII St. Sebastian, Patron unserer Pfarrei, beschütze unsere Gemeinde 1988 Perner, Passau g'' 49,8cm 70kg GlockenumzugDa die Vituskirche nun von der Pfarrei als Hauptkirche genutzt werden wird, wurden am 28. Oktober 2008 vier Glocken (I, III, IV, V) vom Turm der Auferstehungskirche genommen, um im Turm der Vituskirche ein neues, achtstimmiges Geläut zu ergeben. Näheres hierzu, wurde im Mitteilungsblatt veröffentlicht. In unserer Bildergalerie haben wir den Glockenumzug dokumentiert. verfasst von Peter Wohlwender
unter Zuhilfenahme folgender Bücher: St. Vitus Sailauf 1789 - 1989. Herausgegeben von der Kath. Kirchenstiftung Sailauf Die Kunstdenkmäler von Bayern: Bezirksamt Aschaffenburg. Bearb. von Adolf Feulner 1981.
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