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Geschichte der Pfarrei Sailauf
Geschrieben von: Peter Wohlwender   

 

Obwohl eine Pfarrkirche in Sailauf erst im Jahre 1279 im Zuge der Einverleibung durch die Stiftsscholasterei Aschaffenburg urkundlich erwähnt wurde, ist Sailauf wahrscheinlich die älteste Pfarrei des Vorspessarts.

Gesichert ist, dass der jetzige Bau der Vituskirche auf das 11. Jahrhundert zurückgeht. Während sich der romanische Wehrturm bis in unsere Zeit erhalten konnte, ist das Kirchenschiff von 1789 der vierte Steinbau an dieser Stelle. Die Grabungen die im Zuge der umfassenden Wiederherstellung der Kirche 1983 durchgeführt wurden, bestätigten die Annahme, dass die Sailaufer Pfarrei auf das 10. Jahrhundert zurückgehen könnte: Unter den Fundamenten des ersten Steinbaus aus dem 11. Jahrhundert wurden Gräber freigelegt. Da es damals üblich war Tote in der Nähe von Kirchenbauten zu bestatten, ist anzunehmen, dass die Vituskirche einen noch älteren hölzernen Vorgängerbau hatte, von dem sich freilich keine Reste erhalten haben. Ein weiteres Indiz für eine weiter zurückreichende Geschichte der Sailaufer Kirche ist das in der Gegend seltene Patrozinium St. Vitus (Veit), denn der Kult um diesen Heiligen war vor allem im 10. Jahrhundert sehr populär.

Auf jeden Fall ist die Pfarrei Sailauf die Urpfarrei des Vorspessarts. Auch wenn man das 11. Jahrhundert als Entstehungszeit annimmt ist ihr Alter beachtlich, denn die älteste Pfarrei des relativ spät besiedelten Spessarts ist Lohrhaupten aus dem Jahre 1057. Die Pfarrei umfasste weite Teile der Umgebung und die entlegensten eingepfarrten Orte waren 10 Kilometer entfernt. Ursprünglich gehörten folgende Orte der Pfarrei Sailauf an: Weiberhof (bis 1281), Rottenberg, Eichenberg, Feldkahl, Laufach, Weiler, Hain, Keilberg, Waldaschaff, Straßbessenbach, Waldmichelbach.

Mit der Separationsurkunde vom 15. März 1449 wurde die eigenständige Pfarrei St. Jörgen (Keilberg) gebildet, die die Sailaufer Filialorte Waldaschaff, Weiler, Straßbessenbach und Waldmichelbach aufnahm.

Lange bei Sailauf verblieben die Orte Laufach (mit Frohnhofen), Hain, Rottenberg, Eichenberg und Feldkahl. Trotz weiter Entfernung zur Mutterkirche blieb dieser Zustand lange erhalten, doch nach und nach verselbständigten sich auch diese Filialorte: 1810 schieden Laufach mit Frohnhofen und Hain aus dem Sailaufer Pfarrverband aus. Erst 1922 folgten Rottenberg und Feldkahl. Eichenberg blieb bis in unsere Zeit Sailaufer Filiale.

Zeugin dieser reichen und weit zurückreichenden Geschichte ist vor allem unsere St.-Vitus-Kirche in exponierter Lage auf dem Kirchberg. Sie diente in ihrer Geschichte unzähligen Generationen als Gebetsraum, die hier ihre Spuren, wie in Form der vielfältigen Ausstattung aus verschiedenen Epochen, hinterlassen haben.

 

Siehe auch: Lippert, Rudolf J.: Sailauf und Eichenberg im Lichte der Überlieferung, Neuauflage 2003

 

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